Alles und Nichts für die Kunscht! (24. Juli 2026)
Bei mir zu Hause in der Nähe ist eine Unterführung, die gelegentlich Kunst ausstellt, genannt Kunsthalle UG. Und weil wir zufällig so viele Fotos aus der Gegend gemacht haben, dachte ich, ich frage mal, ob ich da eine Ausstellung mit einer Lesung von Geschichten aus meinem neuen Buch „Naserot“ machen könnte. Viele Geschichten habe ich im Zug geschrieben, drum wäre eine Unterführung ein passender Ort für so eine Veranstaltung. Das war meine Idee, weil ich da gerne vorbeilaufe und Ausstellungen an Orten, wo alle Menschen einfach hinkommen können, mag. Ich habe eine Auswahl an Fotos hingeschickt und nun eine Absage bekommen.Die Fotos waren nicht extra für ein Kunstprojekt gemacht, darauf hat mich die Fotografin schon im Vorfeld hingewiesen und gesagt, dass das schwierig sein könnte; aber ich bin gelegentlich unbeirrt und dachte, die Passanten erfreuen sich vielleicht an ein paar humorvollen Bildern in einer Unterführung mit einer Künstlerin aus der Gegend. Ich dachte auch, dass Leute aus Schulen und Kindergärten aus der Nachbarschaft vorbeikommen könnten, sollten die Bilder dort hängen.
Ich glaube tatsächlich, dass das meine Auffassung von Kunst ist: Sie soll für die Menschen da sein und einen Bezug zu ihnen haben. Die Absage von „Schöne Felder“ nehme ich sportlich. Es war ein Versuch, der sicher mal wieder mit viel Arbeit verbunden gewesen wäre; es ist ja nicht so, dass man viel Geld dafür bekommen hätte. Wenn man bei der Stadt Augsburg einen Projektantrag für freie Projekte dieser Art stellt, muss man eine Eigenleistung von mindestens fünfzig Prozent einbringen, was ziemlich viel ist, weshalb vermutlich jeder aus anderen Branchen (oder anderen Städten) dankend ablehnen und zu Recht sagen würde: Wie stellt ihr euch das vor? Ich habe Familie! Oder andere Begründungen …
Und auch ich frage mich gelegentlich: Warum tue ich, was ich tue? Die Antwort ist im Prinzip ganz einfach: weil ich es von innen heraus will, weil ich Orte beleben will, weil mir die Stadt sonst zu langweilig ist. Ich will das nicht nur andernorts tun, sondern insbesondere auch da, wo ich wohne. Normalerweise fahre ich ja mit meinem mobilen Theater zu Gastspielen und werde dafür bezahlt.
Aber manchmal gibt es Orte, die mich zum gedanklichen Experimentieren einladen. Überall hängt langweilige oder furchtbare Werbung rum, warum nicht zur Abwechslung was Schönes oder Lustiges aufhängen? Oder das Hässliche ins Gegenteil verkehren wie die Hexen in Macbeth: Fair is foul and foul is fair! Oder sich einen Spaß daraus machen wie auf dem Bild. Die hässliche Baustelle in eine Sehenswürdigkeit verwandeln, indem ich sie wie eine Sehenswürdigkeit präsentiere. Die Streitbaustelle der Stadt am Wittelsbacherpark kommt bald weg. Das Bild der Baustelle im Kopf bleibt.
Fair is foul and foul is fair! Aber was ist fair? Wer darf ausstellen, und was ist Kunst? Muss Kunst ernst sein, oder darf man schmunzeln? Wer hat die Deutungshoheit über Orte? Wer kuratiert und warum? Wem gehört die Unterführung, und wem gehört die Stadt? Und haben sich die Kuratoren und Kuratorinnen nicht mal die gleiche Frage gestellt? Ich knalle die Sätze mal so hin. Ich sprühe sie in Gedanken in die Unterführung. Beantworten können sie andere. Die, die kuratieren oder entscheiden: über die Förderung zeitgenössischer Kunst.
Wenn ich eines Tages vorbeilaufe und da was hängt, was mich erfreut oder anspricht, freue ich mich trotzdem. Ich bin nicht beleidigt. Ich weiß, dass die Geschmäcker bezüglich Kunst verschieden sind. Aber wenn ich eines Tages durchlaufe und da ein Bild hängt, weiß ich, es ist: kuratierte, zeitgenössische Kunst ;-)
Ich bin Künstlerin auf Durchreise. Ich beanspruche Platz für mich, aber keinen festen Ort. Ich ziehe weiter, und was anderes wird kommen. Dann verwandle ich den Ort in etwas Schönes. Und wenn es mir und dem Publikum und denen, die mich buchen, gefällt, komme ich wieder.
Vielleicht gibt es eines Tages auch mal eine Ausstellung mit Bildern. Bei unserem Jubiläum gab es schon mal eine kleine Fotowand. Wir werden sehen. Und für die Ausstellungseröffnung werde ich eine befreundete Opernsängerin anfragen, die grandios singt. Ich werde versuchen, eine Bezahlung für sie aufzutreiben, weil das kein Hobby von ihr ist. So wie ich das immer versuche, wenn ich ein Projekt angehe. Ich liebe die Verschmelzung von künstlerischen Sparten. Ich denke nicht kuratiert oder kategorisiert. Ich denke einfach nur: Das wird schön, weil ich es weiß.
Ich habe übrigens mal in besagter Unterführung ein Foto gemacht; da stand ein Satz, der mir gefallen hat: „Nie wieder Kunst.“ Er wurde bestimmt einfach so hingesprüht, er war sicher nicht kuratiert. Mich hat der Satz erfreut, denn wenn man sagt: „Nie wieder Kunst“, geht es doch eigentlich genau dann damit los. Mittlerweile ist er übermalt. Meine Antwort ist dieser Text.



